esque hat geschrieben:
Genau genommen wäre das ein anderes Problem.
In der von mir zitierten Aussage ging es nur um die Hinrichtung

Das ist aber leider ein wenig zu "einfach" gedacht...
esque hat geschrieben:
Ich gehe davon aus, daß die meisten Textverarbeitungen ausser reinen Zeichen auch andere, spezielle Objekte speichern.
Ein Objekt Versal-ß zu kreieren mitsamt den Regeln für Umwandung ß->Versal-ß und Versal-ß->ß und Darstellung von Versal-ß als "SS" dürfte dann kein Problem sein.
Und wie genau soll das funktionieren, wenn ein Dokument aus OO oder Word geöffnet wird, dies vorher Doppel-S enthielt und jetzt wieder zu "ß" ersetzt werden muss?
Das klappt nur, solange man sich auf einer kleinen, homogenen Insel befindet -- und das ist halt leider nicht so. Daher hat man sich zu einem allgemeinen Standard entschieden, bei dem die Ersetzungen automatisch erfolgen können, sofern ein Font die Informationen enthält oder eben nicht, wenn das nicht der Fall ist -- und aus diesem Grund ist dieses versale ß aus Gründen der Kompatibilität notwendig geworden.
Die automatische Umwandlungen und die Ersetzungen von Zeichen am Text selbst sollte nicht Aufgabe einer Textverarbeitung sein, denn die ganzen zusätzlichen Automatismen sorgen letztlich für fehlende Kontrolle über das eigene Schriftstück. Die Zeichenersetzung (Minuskelziffern, Hochgestellte Zeichen (kann auch keine Textverarbeitung korrekt berechnen), Ligaturen und jetzt auch das versale ß sind der Einsatzbereich von OTF. Bei der von der ISO getroffenen Entscheidung war ganz sicher niemals geplant, dass jemand hingeht und das Zeichen von Hand ersetzt, denn in diesem Fall wäre das Wort von der Rechtschreibprüfung immer anzumäkeln, weil ein fremdes Zeichen enthalten ist (das gilt auch für eine Ligaturersetzung, die keine Textverarbeitung macht, weil es ohne OTF nicht mit vertretbarem Aufwand möglich wäre).
Gleiches gilt natürlich auch, wenn der Font umgestellt wird. Das kann die Textverarbeitung erst einmal nicht wissen ob bestimmte Zeichen in einem Font vorhanden sind oder nicht. OTF weiss das aber und kann dann eben je nach Font mal ein versales ß anbieten oder eben nicht. Dann bleibt zwar das normale ß stehen, aber es werden nicht plötzlich irgendwelche Sonderzeichen oder Kästchen gedruckt.
Letztlich heisst die Lösung für alle diese Dinge: OTF-Support. Dann geht das (wenn gewünscht auch konfigurierbar) automatisch und die Software passt sich dynamisch den Möglichkeiten an, die der jeweils verwendete Font bietet. Wer dann das versale ß gegen ein "ss" austauschen möchte, kann das weiterhin so tun, wie bisher auch.
Da Versalschriften heute kaum vorkommen (im Zusammenhang mit Fließtext) und auch Kapitälchen ohne entsprechende Unterstützung durch den Font auch nicht stimmen, ist die Überlegung ob eine Textverarbeitung für diese wenigen absoluten Sonderfälle extra eine eigene Funktion mitbringen muss ziemlich müßig -- finde ich.