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Vielleicht sollte man zwei Problemkreise auseinanderhalten:
Einerseits stellt sich die Frage der Kompatibilität. Wenn es nur um ältere Versionen von TM geht, dann ist und bleibt der bereits erwähnte Weg, im TM 2006-Format zu speichern, nach wie vor erste Wahl. Denn damit ist sichergestellt, dass zumindest alles, was TM 2006 konnte, auch in der Datei abgelegt ist und genau so reproduziert wird. Analog gilt für den Austausch mit TM 2008 das TM-2008-Format als erste Wahl. Beim Austausch zwischen zwei TM, gleichgültig, ob es sich um jeweils gleiche Versionen oder um zwei verschiedene handelt, müssen mit einem Fremdformat bereits Abstriche in Kauf genommen werden.
Anderseits stellt sich natürlich auch die Frage der Langzeitarchivierung von Texten. Die Antwort darauf ist leider klar: Niemand kennt die Zukunft, in der EDV schon gar nicht. Ob es 2011 sinnvoll ist, in einem älteren Word-Format zu speichern, bleibe dahingestellt. Denn leider ist es so, dass neuere Programme bereits Word 2.0 oder 3-Dateien nicht mehr öffnen können. Ob Word 6.0-Dateien demnächst bereits dasselbe Schicksal erleiden, kann wohl kaum jemand voraussagen. Ähnliches gilt für die Kompressions-Formate: Gegenwärtig ist ZIP das überall verbreitete Format, das zumindest (fast) jeder lesen kann. Das kann so bleiben, muss aber nicht. BZ2 kann in Zukunft vorherrschend werden, muss aber nicht. Ebenso kommt es auch auf den Zweck der Speicherung an: Behördenbriefe z. B. empfiehlt es sich auch als PDF, am besten gesichert, zu speichern, damit man sie nachweisen kann. Soll nur der Wortlaut für spätere Bearbeitung gesichert werden, empfiehlt sich nach wie vor das Anlegen reiner Textdateien, da diese wohl noch in 20, 50 oder gar 100 Jahren zumindest gelesen werden können. Von den Datenträgern selbst will ich jetzt nicht sprechen, nur soviel: auch diese altern und halten nicht ewig.
Vielleicht wird uns irgendwann in naher Zukunft ein bleibender Standard beschert. Die XML-basierten Dateiformate sind dafür gewiss Kandidaten, aber auch nicht mehr. Eine Software wie TeX ist einen entschiedenen Weg gegangen: Um auch in hundert Jahren reproduziert zu werden, ist die Entwicklung insbesondere des Dateiformats vor Jahren eingefroren worden und wird sich nicht mehr ändern. Ähnliches gilt auch von Tustep, dessen Dateiformat noch älter ist und zwar Abwärtskompatibilität garantiert, aber auch einige lästige Beschränkungen bringt. Solange die Entwicklung weiter geht, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als von Zeit zu Zeit unsere Dateibestände umzuwälzen. Ein Beispiel eines Skripts, mit dem ganze Ordner umgewandelt werden können, ist im BM-Forum zu finden.
Im Grunde ist dies keine neue Erfahrung: Als der Buchdruck die handschriftlichen Codices ablöste, ging das hoch elaborierte Abkürzungssystem der Handschriften unter, heute kann fast niemand es mehr lesen. Der frühe Druck übernahm die gebrochene Schrift, die inzwischen weltweit durch die Antiqua abgelöst wurde. Heute können bereits die meisten Deutschen Fraktur nicht mehr lesen. In Deutschland wurde inzwischen auch die Antiqua-Schreibschrift aus den Schulen verbannt, nur in Teilen der Schweiz hält sie sich noch. Unsere Kinder oder zumindest unsere Enkel werden also die Briefe, die wir noch von Hand geschrieben haben, nicht mehr lesen können. Das Berufsbild der Stenographen ist ohnehin verschwunden, mein letzter Bekannter, der noch Stenographie beherrscht, ist unlängst 90 geworden. Wenn im Jahr 900 jemand darauf hingewiesen hätte, dass es Archivierungsprobleme gebe, dann würden wir heute vielleicht noch Althochdeutsch mit Runen schreiben, wer weiss?
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