Zitat:
Wenn ich Schusterjungen vermeide, kommt es gelegentlich vor, dass zwischen dem Ende des Textes und dem Ende der Seite ein großer Abstand entsteht. Diesen kann man relativ einfach vermeiden, indem der Zeilenabstand schrittweise in den darüber liegenden Absätzen um einen Punkt vergrößert wird, bis der Text unten mehr oder weniger bündig abschließt.
Das kann man - es gilt allerdings in guter Typographie als verpönt. Vor knapp zwei Jahren hatte ich ein Manuskript auf dem Tisch, das neben Fliesstext auch eine Zone mit nach rechts wachsendem Apparat und darunter zweispaltigen Fussnoten hatte. Das war selbst für ein professionelles Satzprogramm an der Grenze des Möglichen. Wenn es z. B. der Zufall wollte, dass auf einer Seite nur gerade eine Fussnote stand, geriet ich zuletzt unter Zwang zu schauen, ob ich nicht noch eine zweite Fussnote anrbingen konnte, nur damit unten rechts auf der Seite kein "Loch" entstand - denn wie hätte das Satzprogramm es sonst füllen sollen?
Nun gilt dies naturgemäss für den klassischen Buch-Satz. Für die Herstellung von bestimmten Broschüren, Zeitschriften, Prospekten u. dgl. mag das Verfahren, Schriftgrösse und Zeilenabstand zu verändern, um ein geschlossenes Erscheinungsbild zu erzielen, angehen. Je klassischer oder gehobener ein Satz sein soll, desto dringender ist von diesem Vorgehen aber abzuraten. Lieber sollte dann ein gewisser Leerraum in Kauf genommen werden. Um das Erscheinungsbild einer Seite zu "retten", wenn man dem so sagen will, empfehlen sich dann andere Mittel, z. B. feine Linien oben und unten, unter bzw. über denen Kolumnentitel, Seitenzahlen u. dgl. stehen. Damit gibt man dann immerhin einen "Rahmen" vor, der optisch die Seiten "schliesst".
Und ja - man kann es auch wie oben beschrieben halten und Abschnitte, die einfach keinen guten Satz ergeben wollen, auch inhaltlich und sprachlich überprüfen und ggf. umformulieren.
Zitat:
Bei langen Texten ist das recht viel Arbeit. Kann man das Füllen der Seite automatisieren (bei Serif PagePlus kann ich Textrahmen füllen lassen, dort wird die Schriftgröße verändert) durch größere Abstände zwischen den Absätzen, größeren Zeilenabstand oder auch Verändern der Schriftgröße?
Wie bereits bemerkt gilt solches Vorgehen jedenfalls im klassischen Buch-Satz als verpönt. Es sei deshalb daingestellt, ob ein Programm dieses Vorgehen erleichtern solle. Immerhin kann ich auf folgende beiden Möglichkeiten hinweisen:
- Anlegen von ansonsten identischen Absatz-Vorlagen, die sich nur durch Zeilenabstand bzw. Schriftgrösse unterscheiden und zweckmässigerweise auch entsprechend benannt werden. Die Handarbeit beschränkt sich dann auf das Zuweisen der Vorlagen zu den fraglichen Absätzen mittels Klapp-Liste.
- Ansonsten wäre das eventuell auch eine Aufgabe für ein BM-Skript.